Festgottesdienst und Festakt zum Reformationsjubiläum in Wittenberg

Festgottesdienst und Festakt zum Reformationsjubiläum in Wittenberg

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Text: Prof. Dr. Josef G. Makovitzky (Universität Heidelberg und Freiburg i.Br.)
500 Jahre Reformation. Festgottestdienst und Festakt zum Reformationsjubiläum am 31. Oktober in Lutherstadt Wittenberg. Erinnerungen von Prof. Dr. Josef G. Makovitzky (Universität Heidelberg und Freiburg i.Br.)

Schlosskirche / Lutherstadt- Wittenberg / 31. Oktober 2017.

Ich erinnere mich ganz genau, vor 50 Jahren habe ich mit meiner Mutter und Bruder Julius in der Holzkirche in Kesmark (in der Zips) die Reformation mit einem deutschsprachigen Gottesdienst gefeiert.

Am 13. Oktober 2017 klingelte das Telefon bei uns, am Ende der Leitung meldete sich Herr Henning, die rechte Hand des EKD Präsidenten Prof. Dr. Bedford-Strohm, und sagte: Ihre Einladung zum Festgottesdienst und zum Festakt ist auf dem Postweg zu Ihnen.

Am 30. Oktober fuhr ich nach Lutherstadt Wittenberg, weil ich in der Stadtkirche (St. Marienkirche), hier predigte Martin Luther  30 Jahre lang, auch am Festgottesdienst teilnehmen  wollte. 

Ich bewunderte den neuen Bahnhof in Wittenberg, es ist ein gut gelungener Glas- palast. In die Stadt laufend sah ich zahlreiche Menschen in Festtagsstimmung. Nachmittags schaute ich, wie jedesmal, die beiden Höfe und die Apotheke der Familie Cranach an, dann folgte die Leucorea, wo Martin Luther und Philipp Melanchthon unterrichteten und die beiden im August enthüllten Gedenktafeln für Mathias Dévai Biró (den ungarischen Luther) und Leonhard Stöckel, (den Präceptor Hungariae).

Als nächstes kam ich um  9h 30 in der Stadtkirche Sr. Marien an, es gab keinen Sitz-oder Stehplatz mehr.

Der Gottesdienst fing um 10 Uhr an und die Gemeinde wurde begrüßt. Es folgte das Vorbereitungsgebet und ein Eingangslied „Gott gibt ein Fest“ d.h. Gott gab uns ein Fest, ein Fest unseres Glaubens. Nach Psalm 46 folgte das Gloria Patri, Kyrie eleison und Gloria in excelsis und das Tagesgebet. Nach dem Hallelujalied  kam die Lesung des Evangeliums: Matthäus 5,1-12

Nach dem apostolischen Glaubensbekenntnis sang der Chor: Wir danken dir Gott, und verkündigen deine Wunder (aus Kantate BWV 29 J.S. Bach).

In der Dialogpredigt wurde die Tapferkeit, Standhaftigkeit und Überzeugung von Dr. Martin Luther erwähnt.

Dann erhob sich  die Festgemeinde, und es wurde das Lied ein feste Burg ist unser Gott gesungen.

Um 15 Uhr läuteten die Glocken der Schlosskirche, so fing der zentrale Festgottesdienst in der Schlosskirche für die eingeladenen Gäste  aus der Politik und Kirche mit Sicherheitsvorkehrungen an. Der Gottesdienst wurde live übertragen in viele andere Gemeinden

Der Einzug der Mitwirkenden erfolgte unter Orgelmusik von Otto Dienel „ Ein feste Burg ist unser Gott „

Die Gemeinde erhob sich, die Mitwirkenden kamen herein: voraus gingen die  beiden Küster mit der Bibel und mit dem „Hlidesheimer Versöhnungskreuz“,

Nach ihnen kamen die beiden Schülerinnen des Luther-Melanchthon Gymnasiums: Eva Dorothea Pohl und Anna Herzer, dann Superintendent Christian Beuchel,  der Kirchengemeine-Vorsteher Matthias Pohl, die Botschafterin des Rates der EKD für das Reformationsjubiläum 2017 Dr. Margot Käßmann und Reverend Dr. Olaf Fykse Tveit, Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen, Bischöfin Ilse Junkermann und  Professor Dr. Heinrich Bedford-Strohm, Präsident der EKD.

In der Begrüßung von Bischöfin Ilse Junkermann wurde das Motto des Festgottesdienstes erwähnt: „ Am Anfang war das Wort“, so rückte die Bibel  durch die Reformation wiederum ins Zentrum.

Nach der Begrüßung wurde Psalm 46 im Wechsel von den Thomanern und drt Festgemeinde gesungen. 

Nach dem Gebet folgte der Kanon einstimmig: „ Am  Anfang war das Wort“. Christian Beuchel sprach über die Bedeutung der 95 Thesen, er erwähnte These 1, These 43 und These 62.

Die Thomaner sangen in vollem Klang  das Lied „Am Anfang war das Wort“.

Dann folgte die Epistellesung aus dem 3. Kapitel des Römerbriefes durch Michael Pohl, danach das Lied Halleluja.im Wechsel gesungen vom Gemeinde-Chor und der Gemeinde.

Dann sang die Festgemeine das Lied Brunn alles Heils

Superintendent Christian Beuchel betonte noch einmal: Martin Luther wollte keine neue Religion gründen, sondern er wollte den originären Zustand unserer Religion wieder herstellen, und sprach über die Bedeutung der 95. Thesen, welche den Anfang der Reformation bedeuteten.

Bischöfin Junkermann sprach über die  Verfolgung der Christen mit verschiedenen Religionen, über die Glaubenskriege, die die Menschen im Namen des Glaubens und Gottes verursachten und  ausgeführt haben Sie betete für die Ökumene und sagte, dieser Tag sollte ein großes Fest von Jesus Christus sein.

Danach sprach Superintendent Christian Beuchel erneut über das reine göttliche Evangelium und dessen Bedeutung. Nach dem Gebet kam der deutsche Schauspieler Devid Striesow, der im FilmKatharina +9Luther“, Martin Luther verkörperte. Sein Monolog zeigte den Weg Martin Luthers zur Reformation, seine inneren Auseinandersetzungen, seine Kämpfe mit sich selbst, sein Ringen, die Erneuerung seines Glaubens. Er betonte, daß Martin Luther  die Bedeutung der Worte wieder  fand und dadurch die Bibel wieder in Mittelpunkt rückte.

Am Anfang war das Wort, sagte Christian Beuchel, und mit der Übersetzung  der Bibel ins Deutsche durch Martin Luther, wurde es erst möglich, die Menschen zu erreichen bzw. das Verstehen der Bibel.

Dann wurde das Evangelium aus Matthäus 5.3-10 durch Frau Käßmann  in englischer Sprache gelesen, dazu erhob sich die Festgemeinde.

Dann folgte das apostolische Glaubensbekenntnis, vorgelesen von Frau Margot Käßmann.

Die Festpredigt zu Römer 8.26 folgte durch Herrn Bischof Bedford-Strohm:  er sprach über die Tapferkeit von Martin Luther. In den nächsten Sätzen sprach über die täglichen Veränderungen, über die heutige Situation in Europa und Deutschland. Er rief die deutsche Bevölkerung dazu auf, mit dieser Situation klar zu kommen. Deutschland braucht  eine innere Erneuerung, wie  bei der Reformation vor 500 Jahren, nur dann können wir unsere christliche Nächstenliebe, unseren Verpflichtungen nachgehen. Dazu rief der Präsident der EKD noch einmal die 22 Millionen Protestanten in Deutschlandauf. Er sprach über die Wichtigkeit der Ökumene. Dieser Tag soll  der Tag der Danksagung sein, weil aus  dieser Stadt die Erneuerung unseres christlichen Glaubens ausging. Als Christen sind wir zur Ausübung und  Ausstrahlung der menschlichen Liebe verpflichtet.

Superintendent Beuchel übergab Herrn Dr. Olaf Fykse Tveit, dem Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen, ein Faksimile der 95 Thesen.

Bischöfin Junkerman sprach über die Bedeutung des  Hildesheimer Versöhnungs- kreuzes und übergab das Kreuz  Herrn Kardinal Reinhard Marx, dem Präsidenten der katholischen Bischofkonferenz, der von Herrn Bedford-Strohm extra begrüßt wurde.

Der Präsident der EKD unterstrich noch einmal, dass die Reformation ihre Gültigkeit jeden Tag haben soll, und sprach über die Ökumene. Und dann übergaben sie gemeinsam mit Kardinal 

Marx das Versöhnungskreuz dem ersten Mann des Staates, Herrn Bundespräsidenten Frank Walter Steinmeier, in der Hoffnung, dass er den Namen des Kreuzes in Europa und Deutschland  zu halten möge.

Herr Bedford-Strohm sprach sich persönlich für die Einladung des Papstes in Lutherstadt Wittenberg aus, nach 500 Jahren die Verbrennung der päpstlichen Bulle: Er sagte: Lieber Papst Franziskus, wir laden Dich recht herzlich ein, und wir erwarten Dich in Wittenberg, dass wir gemeinsam mit Dir auf dem Wege der Ökumene zum Ende gehen.

Frau Margot Käßmann sprach über die Wichtigkeit der Bibel und übergab ein Exemplar einer Schülerin des Luther-Melanchthon Gymnasium in Wittenberg mit der Bitte: Ihr sollt die Bibel bewahren genauso wie Euren Glauben,  Ihr sollt es für die nächsten Generationen weitergeben.

Reverend Dr. Olaf Fykse Tveit. Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen, der 500 Millionen Protestanten vertritt, rief die Kirchen für die Verwirklichung der Ökumene auf.

Nach der Motette „der Geist hilft unsrer Schwachheit auf (BWV 226) kam es zum Fürbittengebet im Wechsel mit dem Gesang: Komm Heil`ger Geist mit deiner Kraft, die uns verbindet und Leben schafft.

Danach erhob sich ein letztes Mal die Festgemeinde und gemeinsam sprachen wir das von Gott gelehrte Gebet „Vater Unser“ und Herr Bedford-Strohm segnete alle Anwesenden. Während des Verlassens des Gotteshauses hörten wir Präludium und Fuge von Christian Stein: Ein feste Burg ist unser Gott.

Festakt zum Reformationsjubiläum

Nach dem Festgottesdienst in der Schlosskirche wurden die eingeladenen Gäste mit Bussen zum Stadthaus, wo der Festakt zum Reformationsjubiläum stattfand, gefahren.

Das Festprogramm fing um 17 Uhr mit einem Film über das Reformationsjubiläum 2017 an. Danach folgte der erste Satz der Symphonie Nr.5. „Reformationssymphonie“ Andante von Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847), gespielt vom deutschen Symphonie-Orchester Berlin unter der Leitung von Sir Roger Norrington.

Dr. Rainer Haseloff, Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt begrüßte die eingeladenen Gäste u.a. János  Àder, den Präsidenten der  ungarischen Republik, Frank Walter Steinmeier, den Bundespräsidenten, den Präsidenten des deutschen Bundestages Wolfgang Schäuble, Kanzlerin Angela Merkel, die Vertreter verschiedener Religionen und die geladenen Gäste. Er sprach zusammenfassend  über die Arbeiten und verschiedenen Präsentationen zwischen 2007-2017 in Sachsen-Anhalt.

Danach stellte Prof Dr. Monika Gütters, Staatsministerin und Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, die durch die Bundesregierung unterstützten Arbeiten und zentralen Präsentationen sowie Veranstaltungen vor.

Nach dem zweiten Reformationsfilm musizierten die Hallenser Madrigalisten unter der Leitung von Tobias Löbner, u.a. das bekannte Lied  „ die Gedanken sind frei“.

Nach dem dritten Film zum Reformationsjubiläum 2017 folgte das Grußwort des ungarischen Präsidenten János Áder. Er betonte in seiner Rede die freundschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Ländern.  Er sprach über den im Jahre 1537 geschriebenen wichtigen Brief von Magister Philipp Melanchthon (Präceptor Germaniae bzw. Europae), in dem er Thomas Nádasdy, dem Palatin des dreigeteilten Ungarn, den Vorschlag machte, er möge eine protestantische Hochschule gründen. Für Martin Luther und Philipp Melanchthon war die ungarische Tragödie bekannt: die Dreiteilung Ungarns durch die Osmanen bedeutete das  Ende der Selbständigkeit des ungarischen Staates.

Er sprach über den „Studentus hungarus“, aus Ungarn gekommenen Studenten, die zwischen dem XVI. und XVII. Jahrhundert an der Leucorea in Wittenberg studiert hatten.

Darüber hinaus erwähnte er das Büchlein der Wittenberger Studenten,  das sogenannte "Album amicorum“. Es handelte sich um ein Buch der Freundschaft, mit vielen gesammelten Ratschlägen von Professoren. Die nach Ungarn zurückkehrenden Studenten brachten die neue Lehre und  verbreiteten sie.

Anschließend erwähnte er ein wichtiges Ereignis der ungarischen Geschichte des Landtages 1568 im siebenbürgischen Torda  (Thorenburg, Turda). Entsprechend dem Beschluss des Landtages sollte jede Gemeinschaft das Recht haben, ihr Bekenntnis, ihren Pfarrer und ihre Kirche frei zu wählen. An diesem Recht könne nichts und niemand sie hindern. Dies bedeutete Toleranz und Glaubensfreiheit gleichzeitig.

Der ungarische Präsident beendete seine Rede mit dem Gedanken von Stephan Bocskai,  Fürst von Siebenbürgen, einer der  Hauptgestalten des Genfer Reformationsdenkmals, der in seinem Testament die Gläubigen zur  „ schönen Einheit untereinander“ ermunterte.

Kanzlerin Merkel  unterstrich in Ihrer Rede beim Festakt die Bedeutung von Meinungsvielfalt und Toleranz in ganz Europa. Toleranz sei „ die Seele  Europas“ und „das Grundprinzip jeder offenen Gesellschaft“.

Selbst wenn Glaubensüberzeugungen den eigenen Ansichten widersprachen, gelte es anzuerkennen, dass sie „ für andere von zentraler Bedeutung sind“. Der Staat sei verpflichtet die Würde des Menschen zu achten und zu schützen, und dazu gehöre in besonderer Weise der Schutz der Religionsfreiheit.

Zum Schluss spielte das Orchester den 4. Satz der Symphonie Nr.5 „Reformationssymphonie“  Andante con moto, Allegro vivace und Allegro maestoso von Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847).

Im Anschluss folgte der festliche Empfang.

Címkék: Makovitzky József -

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